Die Entwicklung der Trillerpfeife
 

Die Trillerpfeife stellt sicherlich - neben den gelben und roten Karten - das prägnanteste Utensil des Schiedsrichters dar. Trillerpfeifen finden allerdings neben dem Fußball nicht nur in anderen Sportarten, sondern auch in zahlreichen Bereichen des Lebens Verwendung, beispielsweise bei der Polizei, bei der Bahn oder bei Rettungsdiensten, und früher auch bei der Post. Anders als die Schuhe oder die Spielerausrüstung muss die Trillerpfeife auch nicht unbedingt in besonderer Weise an die Beschaffenheit des Fußballspiels angepasst werden.
Im Jahr 1878 wurde erstmals eine Messingpfeife ohne Kugel (vgl. Abbildung) bei einem Fußballspiel des Nottingham Forrest Football Club eingesetzt. Diese wurde von dem Werkzeugmacher Joseph Hudson hergestellt, der ein Faible für Pfeifen hatte. Diese wurde schon bald durch die wesentlich lautere Trillerpfeife ersetzt.
Auch die erste Trillerpfeife wurde gegen Ende der 1860er Jahre ebenfalls von Joseph Hudson entwickelt, der ein begeisterter Hobbygeiger war. Nachdem ihm eines Tages seine Geige auf den Boden gefallen war und während dem Zerbersten von Steg und Saiten einen außergewöhnlichen und schrillen Klang von sich gegeben hatte, war sein Ehrgeiz geweckt, diesen Klang mit einer Pfeife nachzuahmen.

Er entwickelte eine aus einem Hohlraum bestehende Pfeife, in die eine kleine erbsengroße Kugel eingebracht war (daher der englische Name "pea whistle"), deren Bewegung im Hohlraum das typische Trillern der Pfeife erzeugt, das ihr im Deutschen den Namen gab. Die erstaunliche Lautstärke der Trillerpfeife machte sie für die Londoner Polizei interessant, wo sie schon bald die bisher als Signalgerät verwendete Handrassel ersetzte. Wenig später wurde sie auch erstmals bei Fußballspielen eingesetzt. Die Abbildung zeigt den Zusammenbau einer Trillerpfeife aus dem Jahr 1936. Nach dem Einbringen der Kugel (4) werden die beiden Hälften des Pfeifengehäuses über die äußeren Rippen (10 und 11) passend ineinander gebracht und mit Hilfe der Öse (9) fixiert. Die Pfeife weist außerdem einen Ring (6) zur Befestigung der Pfeife an einer Kette oder Schnur auf.

Im Laufe der Jahre wurde diese Trillerpfeife kontinuierlich weiterentwickelt bald auch aus Plastik gefertigt (siehe Abbildung). Sie ist noch immer unter ihrem ursprünglichen Namen "Thunderer" bekannt und stellt derzeit die am weitesten verbreitete Trillerpfeife dar.
Ein Nachteil der Trillerpfeifen liegt in den mechanischen Eigenschaften der für den Klang verantwortlichen Kugel. Bei zu heftigem Einblasen in die Pfeife kann diese blockieren, wodurch nur noch ein hohes Quietschen oder unter Umständen auch überhaupt kein Ton mehr erzeugt werden kann. Wegen dieses Nachteils wurde daher versucht, eine kugellose Pfeife zu entwickeln, die der Lautstärke und dem Klang einer Trillerpfeife nahe kommt.
Die Lösung des Problems liegt darin, eine Pfeife mit zwei Kammern zu versehen, die auf leicht unterschiedliche Tonhöhen abgestimmt sind. Auf diese Weise kann ein dem Trillern der Kugel sehr ähnlicher und lauter Klang erzeugt werden. Ein Großteil der Schiedsrichter greift heutzutage wegen ihrer größeren Verlässlichkeit auf diese unter dem Namen "Tornado" bekannten, kugellosen Trillerpfeifen zurück.

Eine solche kugellose Trillerpfeife aus dem Jahr 1999 ist folgendermaßen aufgebaut: Zwei Klangkammern (2, 3) mit den Öffnungen (4, 5) sind über eine schmale Wand W1 voneinander getrennt, deren Ende zwei Flächen im Winkel von 45° zur Führung des Luftstroms aufweist (vgl. Abbildung). Die Pfeife erreicht schon bei einem Einblasdruck von nur 0,035 atü eine Lautstärke von 90 Dezibel. Eine weitere Alternative stellen die so genannten Schrillpfeifen dar, deren charakteristischer Ton durch das Anschneiden der durch den Mund ausgeatmeten Luft erzeugt wird.
Es würde hier zu weit führen, die allgemeine, technische Entwicklung der Triller- und Schrillpfeifen noch weiter im Detail darzustellen. Da die Trillerpfeife ein in so vielen verschiedenen Bereichen verwendeter Gebrauchsgegenstand ist, findet das Fußballspiel in den meisten Schriften zu diesem Thema auch nur selten Erwähnung.