Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher erzählte aus dem Nähkästchen
 

Es war ein besonderer Abend für die SRG Künzelsau. Knut kommt, so hieß es. Doch wer dabei an den Eisbären dachte, der lag gehörig daneben. Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher stattete der SRG Künzelsau zum 50-jährigen Jubiläum einen Besuch ab. In seinem Vortrag referierte er über den Schiedsrichter im Brennpunkt der Öffentlichkeit; er spannte den Bogen vom Lebenskünstler, Eventmanager, Krisenbeauftragten, Egoisten bis hin zum Partner. Die rund 160 Schiedsrichter und Vereinsvertreter erlebten in der Bieringer Jagsttalhalle einen kurzweiligen Abend. Denn Knut Kircher verstand es, das Schiedsrichterwesen vom Neulingslehrgang bis in die Höhen der FIFA am Beispiel seiner Person mit viel Witz und Humor zu skizzieren.

Besonders interessant anzuhören waren die Anekdoten über das Leben in der Bundesliga und vor allem in der Champions League der UEFA. Gefragt nach der wichtigsten Eigenschaft eines Schiedsrichters nennt Kircher schnelle und fehlerfreie Entscheidungen. Im Schnitt trifft jeder Schiedsrichter rund 250 Entscheidungen in einem Spiel. Bei 5 Fehlentscheidungen ergibt dies eine Fehlerquote von nur 2 %. Eigentlich traumhaft – doch die Öffentlichkeit nimmt dies anders wahr. Unter mständen macht das schon den Schiedsrichter zum
Buhmann , „die erste Seite der Bildzeitung ist dir sicher und das Wochenende gehört dir“.

Körperliche Fitness hält er für die Grundvoraussetzung, um die für einen Schiedsrichter statistisch errechneten 11 – 14 Kilometer schadlos zu überstehen. Zum Vergleich läuft ein Stürmer nur 6 – 7 Kilometer, ein Mittelfeldspieler ca. 11 Kilometer pro Spiel. Das verblüffte doch einige Zuhörer.

Der Umgang mit den Stars, mit Hoeneß und Co, den Offiziellen und den Medien - das erfordert von einem Schiedsrichter Professionalität auf der ganzen Linie. So schilderte Knut Kircher seinen Schiedsrichter-Kollegen eindrucksvoll, wie seine Vorbereitung im Vorfeld zu einem Profi-Spiel aussieht, wie er ein solches Spiel erlebt und mit welchen Eindrücken er wieder nach Hause kommt. Hierbei wurde sehr deutlich, dass es alles andere als leicht ist, Hobby, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Zu seinen Zielen gefragt, meint der sympatische Rottenburger mit einem Lächeln: Gesund bleiben, Spaß haben und nie das Kribbeln im Bauch vor jedem Spiel verlieren.

Mit einem Geschenkkorb mit hohenloher Weinen bedankte sich Schiedsrichterobmann Edgar Reibel nach über zwei kurzweiligen Stunden bei Knut Kircher für interessante Einblicke in den Profifußball. Dieser attestierte seinem Publikum ein „tolles Doppelpass-Spiel“ und wünschte stets einen guten Pfiff mit Worten von Markus Merk: „Die wahren Helden pfeifen in den unteren Klassen“.

Desweiteren gilt ein großer Dank der DJK-TSV Bieringen für die kurzfristige Bereitstellung der Festhalle und die hervorragende Bewirtung. (ms)